Anfrage im Haupt-und-Finanz-Ausschuss am 24.09.2026 30. September 202630. September 2026 „Im Innenstadtbereich und in einigen weiteren Lagen Bad Honnefs sind vermehrtleerstehende Ladenlokale, Büroflächen und teilweise auch Wohnimmobilien sichtbar. Dies hatAuswirkungen auf die Aufenthaltsqualität, die Nahversorgung und die Attraktivität desStandorts.“Wir bitten die Verwaltung um eine schriftliche Sachstandsmitteilung mit folgenden Punkten: 1. Bestandsaufnahme Leerstand1. Wie stellt sich die aktuelle Lage des Leerstands in Bad Honnef dar (nachNutzung: Einzelhandel, Gastronomie, Büros, Wohnen; nach räumlicherZuordnung, z. B. Innenstadt, Ortsteile)?2. Auf welcher Datengrundlage erhebt oder schätzt die Stadt den Leerstand(eigene Erfassung, Kreisdaten, eigene Beobachtungen, Befragungen)?Antwort 1:Eine flächendeckende, nach Einzelhandel, Gastronomie, Büro und Wohnendifferenzierte Leerstandsstatistik für das gesamte Stadtgebiet wird derzeit nichtgeführt. Für den Konzentrationsbereich der Innenstadt erfolgt hingegen einefortlaufende Beobachtung der gewerblich nutzbaren Erdgeschossflächen. In derWirtschaftsförderung werden dort insbesondere folgende Flächen als Leerstandbeziehungsweise als noch nicht wieder regulär genutzte Flächen geführt:– Kirchstraße 5– Markt 5,– Hauptstraße 57 (im Umbau),– Hauptstraße 30,– innenliegende Flächen der Arboretum-Passage.Diese Momentaufnahme ist zugleich vor dem Hintergrund bereits erfolgter bzw.laufender Neuvermietungen zu betrachten. Nicht mehr als Leerstand anzusehen sindbeispielsweise:– Hauptstraße 80 – Nutzung als Ausstellungsraum,– Markt 1 – Café in Planung,– Hauptstraße 38e – derzeit im Umbau und bereits vermietet,– Hauptstraße 102b – Eröffnung zum Martini Markt.Antwort 2:Die Erfassung der gewerblichen Leerstände erfolgt im Wesentlichen durch laufendeMarktbeobachtung der Wirtschaftsförderung.Bekannte Leerstände und relevante Flächeninformationen aus demKonzentrationsbereich der Innenstadt werden verwaltungsintern im WebGISdokumentiert und fortgeschrieben und sind teilweise auch öffentlich zugänglich 2. Ursachen und Trends1. Welche Ursachen und Trends benennt die Verwaltung für den aktuellenLeerstand (z. B. struktureller Wandel im Einzelhandel, demografischeEntwicklung, Mietniveau, Online‑Handel, bauliche Einschränkungen)?2. Gibt es eine Einschätzung, ob sich die Situation in den letzten 12–24 Monatenverschärft, stabilisiert oder verbessert hat?Antwort 1:Die Stadtverwaltung verweist hier auf die Trend- bzw. evidenzbasierteUrsachenforschung der Branchenverbände für Einzelhandel, Wirtschaft undKommunales mit folgendem Tenor: Die Ursachen von Leerständen in Innenstädtensind vielschichtig und sowohl im veränderten Einkaufs- und Konsumverhalten alsauch in strukturellen Transformationsprozessen zu verorten. Diese habenbundesweit zu Veränderungen bei Betriebs- und Filialkonzepten sowie einerAnpassung der Bedarfe und Anforderungen an Verkaufsflächen für den stationärenEinzelhandel geführt.Antwort 2:Auf Grundlage der laufenden Marktbeobachtung und der konkreten Entwicklung imKonzentrationsbereich der Innenstadt bewertet die Verwaltung dieLeerstandssituation in den vergangenen 12 bis 24 Monaten insgesamt als stabil bispositiv.Die aktuelle Entwicklung zeigt mehrere konkrete Neuvermietungen undNeuansiedlungen. Hierzu zählen „Fluidum“ am Franz-Xaver-Trips-Platz, das„Mangold“ (ehemals „Markt 3“), der „StadtRaum“ in der Hauptstraße 48, das „Salut“in der Linzer Straße sowie „Body Balance“ auf der Rückseite der Hauptstraße 72a.Hinzu kommen weitere bereits vermietete beziehungsweise in Vorbereitungbefindliche Flächen (s.o.).Damit stehen den aktuell bekannten fünf Leerstandsflächen mehrere neu belegteoder konkret zur Nutzung vorbereitete Flächen gegenüber. Auch dasFörderprogramm „Zukunftsfähige Innenstädte und Ortszentren“ hat hierzu einenBeitrag geleistet.Die Verwaltung sieht daher derzeit keine Anzeichen für eine sich strukturellverschärfende Leerstandssituation im Konzentrationsbereich der Innenstadt.Vielmehr ist eine kontinuierliche Fluktuation zu beobachten, bei der frei werdendeFlächen auch wieder einer neuen Nutzung zugeführt werden. 3. Instrumente und Maßnahmen der Stadt1. Über welche planerischen, wirtschaftsfördernden und kommunalpolitischenInstrumente verfügt die Stadt bereits, um Leerstand zu reduzieren (z. B. aktivesFlächenmanagement, Förderprogramme, Beratung von Eigentümern,Zwischennutzungen, städtebauliche Konzepte)?2. Welche konkreten Maßnahmen plant oder ergreift die Stadt kurz‑ und mittelfristig, um den Leerstand zu senken und die Innenstädte/Ortskerne zu stärken?Antwort 1:Die Stadt verfolgt zur Stärkung der Innenstadt einen integrierten Ansatz, bei demmehrere Instrumente ineinandergreifen.Ein wesentlicher Bestandteil ist das aktive Flächen- und Ansiedlungsmanagementder Wirtschaftsförderung. Die Stadt begleitet Interessierte von der erstenKontaktaufnahme über die Suche nach geeigneten Flächen undAnsprechpartnerinnen und Ansprechpartnern bis hin zu Fragestellungenbeispielsweise im Zusammenhang mit möglichen Nutzungsänderungen. Parallelbesteht ein kontinuierlicher bilateraler Austausch mit Immobilieneigentümerinnen und-eigentümern sowie vorhandenen und potenziellen Gewerbetreibenden.Diese individuelle Ansprache wird durch die Zusammenarbeit mit denInnenstadtvereinen ergänzt. Über diese Strukturen können Interessen gebündelt,Eigentümerinnen und Eigentümer erreicht sowie Bedarfe und Entwicklungenschneller an die Verwaltung zurückgespielt werden.Besondere Bedeutung hatte und hat das Landesprogramm „ZukunftsfähigeInnenstädte und Ortszentren“. Bad Honnef beteiligt sich seit Anfang 2024 daran. DieFörderung des Landes belief sich auf 250.000 Euro; einschließlich des kommunalenEigenanteils werden im Förderzeitraum bis Ende 2026 rund 415.000 Euro in dieInnenstadt investiert. Das Programm umfasst dabei ausdrücklich nicht nur dieAnmietung leerstehender Ladenlokale, sondern auch Zentrenmanagement,Innenstadtmarketing und Maßnahmen zur Verbesserung der Aufenthaltsqualität.Im Baustein „Vollstand“ werden Leerstände von der Stadt zu reduzierten Konditionenangemietet und für eine begrenzte Anlaufphase an ausgewählte Gründerinnen, Gründer und Unternehmen weitervermietet. Ein Innenstadtbeirat begleitet dieAuswahl der Konzepte. Dabei werden neben der wirtschaftlichen Tragfähigkeit auchdie Ergänzung des bestehenden Nutzungsmixes sowie die Bereitschaft zurEinbindung in die Innenstadtgemeinschaft berücksichtigt.Auch planerisch wird die Innenstadtentwicklung über Einzelmaßnahmen hinausbetrachtet. Zu den Grundlagen zählen insbesondere das IntegrierteStadtentwicklungskonzept, das Integrierte Handlungskonzept für Innenstadt,Rheinufer und Rhöndorf, das Einzelhandelsstandort- und Zentrenkonzept sowie derPlanungswettbewerb für die Innenstadt.Antwort 2:Die Wirtschaftsförderung der Stadt Bad Honnef wendet die o.g. Instrumente mitentsprechenden Maßnahmen zur kurz- und mittelfristigen Senkung des Leerstandesund zur Stärkung der Innenstadt an. Gleichzeitig wurde die Wirtschaftsförderungorganisatorisch und inhaltlich neu aufgestellt. Im Rahmen dieser Neuausrichtungsollen Aufgaben eines Zentrenmanagements weiterhin erfüllt werden.Dazu gehören insbesondere die laufende Beobachtung von Leerständen, dieKontaktpflege zu Eigentümerinnen und Eigentümern, die Begleitung vonAnsiedlungsinteressierten und bestehenden Betrieben, die Vernetzung der Akteuresowie die Prüfung geeigneter Fördermöglichkeiten, ausdrücklich auch außerhalb derInnenstadt. Neben der Innenstadt sind insbesondere die relevanten Wirtschafts- undNahversorgungsräume außerhalb des Konzentrationsbereichs einzubeziehen. Dazuzählen insbesondere Selhof, Rhöndorf, Aegidienberg, Rottbitze/Vogelsbitze sowieweitere wirtschaftlich relevante Ortsteilzentren und Gewerbestandorte. 4. Kooperation und Finanzierung1. Inwieweit arbeitet die Stadt mit externen Partnern zusammen (z. B.Wirtschaftsförderung, Kammern, Eigentümergemeinschaften,Landesprogramme)?2. Sind dafür zusätzliche Haushaltsmittel erforderlich bzw. bereits eingeplant?Antwort 1:Die Stadtverwaltung bezieht diese Frage auf den Kontext derLeerstandsvermarktung und Zentrenstärkung: Die Stärkung der Innenstadt ist eineGemeinschaftsaufgabe. Ein wesentliches Element ist deshalb die engeZusammenarbeit mit privaten, institutionellen und öffentlichen Partnern.Hierzu arbeitet die Stadt unter anderem mit der Wirtschaftsförderung des Rhein-SiegKreises und anderer kreisangehöriger Kommunen, mit den Innenstadtvereinen, demInnenstadtbeirat, Gewerbetreibenden in der Innenstadt und in der Konzeption auchmit einer Agentur für Markenentwicklung und Mediagestaltung zusammen.Antwort 2:Die Weiterentwicklung der Innenstadt und die Reduzierung von Leerständen sind alslaufende Querschnittsaufgaben zu verstehen, deren Umsetzung sich ausunterschiedlichen Maßnahmen, Förderzugängen und bestehenden kommunalenRessourcen zusammensetzt.Ob und welche zusätzlichen Mittel für zukünftige Einzelmaßnahmen erforderlichwerden, hängt wesentlich von deren konkreter Ausgestaltung, dem jeweiligenUmsetzungszeitraum sowie den zu diesem Zeitpunkt verfügbaren Förderkulissen ab.Entsprechende Bedarfe werden daher im Zuge der weiteren Konkretisierung bewertet und – soweit erforderlich – in die jeweiligen Haushaltsberatungeneingebracht.