Anfrage im Haupt-und-Finanz-Ausschuss am 24.09.2026

„Im Innenstadtbereich und in einigen weiteren Lagen Bad Honnefs sind vermehrt
leerstehende Ladenlokale, Büroflächen und teilweise auch Wohnimmobilien sichtbar. Dies hat
Auswirkungen auf die Aufenthaltsqualität, die Nahversorgung und die Attraktivität des
Standorts.“

Wir bitten die Verwaltung um eine schriftliche Sachstandsmitteilung mit folgenden Punkten:

1. Wie stellt sich die aktuelle Lage des Leerstands in Bad Honnef dar (nach
Nutzung: Einzelhandel, Gastronomie, Büros, Wohnen; nach räumlicher
Zuordnung, z. B. Innenstadt, Ortsteile)?
2. Auf welcher Datengrundlage erhebt oder schätzt die Stadt den Leerstand
(eigene Erfassung, Kreisdaten, eigene Beobachtungen, Befragungen)?

Antwort 1:
Eine flächendeckende, nach Einzelhandel, Gastronomie, Büro und Wohnen
differenzierte Leerstandsstatistik für das gesamte Stadtgebiet wird derzeit nicht
geführt. Für den Konzentrationsbereich der Innenstadt erfolgt hingegen eine
fortlaufende Beobachtung der gewerblich nutzbaren Erdgeschossflächen. In der
Wirtschaftsförderung werden dort insbesondere folgende Flächen als Leerstand
beziehungsweise als noch nicht wieder regulär genutzte Flächen geführt:
– Kirchstraße 5
– Markt 5,
– Hauptstraße 57 (im Umbau),
– Hauptstraße 30,
– innenliegende Flächen der Arboretum-Passage.
Diese Momentaufnahme ist zugleich vor dem Hintergrund bereits erfolgter bzw.
laufender Neuvermietungen zu betrachten. Nicht mehr als Leerstand anzusehen sind
beispielsweise:
– Hauptstraße 80 – Nutzung als Ausstellungsraum,
– Markt 1 – Café in Planung,
– Hauptstraße 38e – derzeit im Umbau und bereits vermietet,
– Hauptstraße 102b – Eröffnung zum Martini Markt.

Antwort 2:
Die Erfassung der gewerblichen Leerstände erfolgt im Wesentlichen durch laufende
Marktbeobachtung der Wirtschaftsförderung.
Bekannte Leerstände und relevante Flächeninformationen aus dem
Konzentrationsbereich der Innenstadt werden verwaltungsintern im WebGIS
dokumentiert und fortgeschrieben und sind teilweise auch öffentlich zugänglich

1. Welche Ursachen und Trends benennt die Verwaltung für den aktuellen
Leerstand (z. B. struktureller Wandel im Einzelhandel, demografische
Entwicklung, Mietniveau, Online‑Handel, bauliche Einschränkungen)?
2. Gibt es eine Einschätzung, ob sich die Situation in den letzten 12–24 Monaten
verschärft, stabilisiert oder verbessert hat?

Antwort 1:
Die Stadtverwaltung verweist hier auf die Trend- bzw. evidenzbasierte
Ursachenforschung der Branchenverbände für Einzelhandel, Wirtschaft und
Kommunales mit folgendem Tenor: Die Ursachen von Leerständen in Innenstädten
sind vielschichtig und sowohl im veränderten Einkaufs- und Konsumverhalten als
auch in strukturellen Transformationsprozessen zu verorten. Diese haben
bundesweit zu Veränderungen bei Betriebs- und Filialkonzepten sowie einer
Anpassung der Bedarfe und Anforderungen an Verkaufsflächen für den stationären
Einzelhandel geführt.

Antwort 2:
Auf Grundlage der laufenden Marktbeobachtung und der konkreten Entwicklung im
Konzentrationsbereich der Innenstadt bewertet die Verwaltung die
Leerstandssituation in den vergangenen 12 bis 24 Monaten insgesamt als stabil bis
positiv.
Die aktuelle Entwicklung zeigt mehrere konkrete Neuvermietungen und
Neuansiedlungen. Hierzu zählen „Fluidum“ am Franz-Xaver-Trips-Platz, das
„Mangold“ (ehemals „Markt 3“), der „StadtRaum“ in der Hauptstraße 48, das „Salut“
in der Linzer Straße sowie „Body Balance“ auf der Rückseite der Hauptstraße 72a.
Hinzu kommen weitere bereits vermietete beziehungsweise in Vorbereitung
befindliche Flächen (s.o.).
Damit stehen den aktuell bekannten fünf Leerstandsflächen mehrere neu belegte
oder konkret zur Nutzung vorbereitete Flächen gegenüber. Auch das
Förderprogramm „Zukunftsfähige Innenstädte und Ortszentren“ hat hierzu einen
Beitrag geleistet.
Die Verwaltung sieht daher derzeit keine Anzeichen für eine sich strukturell
verschärfende Leerstandssituation im Konzentrationsbereich der Innenstadt.
Vielmehr ist eine kontinuierliche Fluktuation zu beobachten, bei der frei werdende
Flächen auch wieder einer neuen Nutzung zugeführt werden.

1. Über welche planerischen, wirtschaftsfördernden und kommunalpolitischen
Instrumente verfügt die Stadt bereits, um Leerstand zu reduzieren (z. B. aktives
Flächenmanagement, Förderprogramme, Beratung von Eigentümern,
Zwischennutzungen, städtebauliche Konzepte)?
2. Welche konkreten Maßnahmen plant oder ergreift die Stadt kurz‑ und mittelfristig, um den Leerstand zu senken und die Innenstädte/Ortskerne zu stärken?

Antwort 1:
Die Stadt verfolgt zur Stärkung der Innenstadt einen integrierten Ansatz, bei dem
mehrere Instrumente ineinandergreifen.
Ein wesentlicher Bestandteil ist das aktive Flächen- und Ansiedlungsmanagement
der Wirtschaftsförderung. Die Stadt begleitet Interessierte von der ersten
Kontaktaufnahme über die Suche nach geeigneten Flächen und
Ansprechpartnerinnen und Ansprechpartnern bis hin zu Fragestellungen
beispielsweise im Zusammenhang mit möglichen Nutzungsänderungen. Parallel
besteht ein kontinuierlicher bilateraler Austausch mit Immobilieneigentümerinnen und
-eigentümern sowie vorhandenen und potenziellen Gewerbetreibenden.
Diese individuelle Ansprache wird durch die Zusammenarbeit mit den
Innenstadtvereinen ergänzt. Über diese Strukturen können Interessen gebündelt,
Eigentümerinnen und Eigentümer erreicht sowie Bedarfe und Entwicklungen
schneller an die Verwaltung zurückgespielt werden.
Besondere Bedeutung hatte und hat das Landesprogramm „Zukunftsfähige
Innenstädte und Ortszentren“. Bad Honnef beteiligt sich seit Anfang 2024 daran. Die
Förderung des Landes belief sich auf 250.000 Euro; einschließlich des kommunalen
Eigenanteils werden im Förderzeitraum bis Ende 2026 rund 415.000 Euro in die
Innenstadt investiert. Das Programm umfasst dabei ausdrücklich nicht nur die
Anmietung leerstehender Ladenlokale, sondern auch Zentrenmanagement,
Innenstadtmarketing und Maßnahmen zur Verbesserung der Aufenthaltsqualität.
Im Baustein „Vollstand“ werden Leerstände von der Stadt zu reduzierten Konditionen
angemietet und für eine begrenzte Anlaufphase an ausgewählte Gründerinnen, Gründer und Unternehmen weitervermietet. Ein Innenstadtbeirat begleitet die
Auswahl der Konzepte. Dabei werden neben der wirtschaftlichen Tragfähigkeit auch
die Ergänzung des bestehenden Nutzungsmixes sowie die Bereitschaft zur
Einbindung in die Innenstadtgemeinschaft berücksichtigt.
Auch planerisch wird die Innenstadtentwicklung über Einzelmaßnahmen hinaus
betrachtet. Zu den Grundlagen zählen insbesondere das Integrierte
Stadtentwicklungskonzept, das Integrierte Handlungskonzept für Innenstadt,
Rheinufer und Rhöndorf, das Einzelhandelsstandort- und Zentrenkonzept sowie der
Planungswettbewerb für die Innenstadt.

Antwort 2:
Die Wirtschaftsförderung der Stadt Bad Honnef wendet die o.g. Instrumente mit
entsprechenden Maßnahmen zur kurz- und mittelfristigen Senkung des Leerstandes
und zur Stärkung der Innenstadt an. Gleichzeitig wurde die Wirtschaftsförderung
organisatorisch und inhaltlich neu aufgestellt. Im Rahmen dieser Neuausrichtung
sollen Aufgaben eines Zentrenmanagements weiterhin erfüllt werden.
Dazu gehören insbesondere die laufende Beobachtung von Leerständen, die
Kontaktpflege zu Eigentümerinnen und Eigentümern, die Begleitung von
Ansiedlungsinteressierten und bestehenden Betrieben, die Vernetzung der Akteure
sowie die Prüfung geeigneter Fördermöglichkeiten, ausdrücklich auch außerhalb der
Innenstadt. Neben der Innenstadt sind insbesondere die relevanten Wirtschafts- und
Nahversorgungsräume außerhalb des Konzentrationsbereichs einzubeziehen. Dazu
zählen insbesondere Selhof, Rhöndorf, Aegidienberg, Rottbitze/Vogelsbitze sowie
weitere wirtschaftlich relevante Ortsteilzentren und Gewerbestandorte.

1. Inwieweit arbeitet die Stadt mit externen Partnern zusammen (z. B.
Wirtschaftsförderung, Kammern, Eigentümergemeinschaften,
Landesprogramme)?
2. Sind dafür zusätzliche Haushaltsmittel erforderlich bzw. bereits eingeplant?

Antwort 1:
Die Stadtverwaltung bezieht diese Frage auf den Kontext der
Leerstandsvermarktung und Zentrenstärkung: Die Stärkung der Innenstadt ist eine
Gemeinschaftsaufgabe. Ein wesentliches Element ist deshalb die enge
Zusammenarbeit mit privaten, institutionellen und öffentlichen Partnern.
Hierzu arbeitet die Stadt unter anderem mit der Wirtschaftsförderung des Rhein-SiegKreises und anderer kreisangehöriger Kommunen, mit den Innenstadtvereinen, dem
Innenstadtbeirat, Gewerbetreibenden in der Innenstadt und in der Konzeption auch
mit einer Agentur für Markenentwicklung und Mediagestaltung zusammen.

Antwort 2:
Die Weiterentwicklung der Innenstadt und die Reduzierung von Leerständen sind als
laufende Querschnittsaufgaben zu verstehen, deren Umsetzung sich aus
unterschiedlichen Maßnahmen, Förderzugängen und bestehenden kommunalen
Ressourcen zusammensetzt.
Ob und welche zusätzlichen Mittel für zukünftige Einzelmaßnahmen erforderlich
werden, hängt wesentlich von deren konkreter Ausgestaltung, dem jeweiligen
Umsetzungszeitraum sowie den zu diesem Zeitpunkt verfügbaren Förderkulissen ab.
Entsprechende Bedarfe werden daher im Zuge der weiteren Konkretisierung bewertet und – soweit erforderlich – in die jeweiligen Haushaltsberatungen
eingebracht.

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