Wahlergebnisse nur Irrtum Bad Honnef marschiert, Alles wird gut, Alle finden’s toll – und 4 ist eine Primzahl.

Leserbrief (verschickt am 28.5.19) an die Honnefer Wochenzeitung zu den Ergebnissen der Europawahl

(bisher – 8.6.19 – nicht veröffentlicht!)

von Burkhard Hoffmeister, Sprecher des Ortsverbandes und Mitglied des Kreistages

Big Apple, Great Honnef. Weltniveau, Früchte ernten, alles prima. Isn’t it? Lieber Helmut, Deine Kolumne hat schon mal das Zeug zum Hammer. Mit „bösartig“ ein toller Titel, oft scharfzüngig, selten langweilig. Jetzt aber sehr brav. Hofberichterstattung. ohgOTTOgott. Und alles so schlüssig. Der oder das, was Alle wollen, „wird von CDU, Bürgerblock und FDP unterstützt…. die Grünen in Bad Honnef haben sich im Gegensatz zum bundesweiten Trend ein wenig ins Abseits gestellt.“ Die Loser. 

Danke, dass wir in der Kolumne  lernen dürfen. So wissen wir jene Zeugnisse zu   deuten, die Bürger*inne bei Wahlen regelmäßig verteilen. Ist ja auch alles richtig in der Kolumne: Bad Honnefer Grüne im Abseits? Aber ja, mit fast 16,78% Plus sind wir weit weg von der CDU mit gut 6% Minus oder der SPD mit gut 14% Minus oder auch der FDP mit Achtkommanochwas insgesamt. Wenn Grüne also derart im Abseits stehen, dann nehmen wir das (sehr) billigend in Kauf.

Entgegen dem bundesweiten Trend? Na ja. Ob mensch das so nennen kann, wenn wir uns noch deutlich weiter nach oben absetzen als der Durchschnitt unserer Partei? Die Bad Honnefer Grünen haben das beste Ergebnis aller Ortsverbände im Rhein-Sieg-Kreis. Verzweieinhalbfacht. Rund 28% und 3.684 Stimmen sind für uns sehr neu. In 10 von 16 Wahlbezirken ganz vorn, doch in Aegidienberg „nur“ 25,51 Prozent und in Rhöndorf nur knappe dreißig – deshalb knapp hinter der CDU. Bei hoher Wahlbeteiligung und sehr niedrigem Resultat für rechte Populisten. Wenn wir den freudigen Schreck verdaut haben, irgendwann, dann verstehen wir vielleicht Deine Analyse.

Bis dahin allerdings bemühen wir uns, offensichtlich hohe Erwartungen zu erfüllen. Und bleiben bescheiden. Denn Hochmut kommt vor dem Fall. Was wir im Gegensatz zu berühmten hiesigen Bürgern wissen. Passiert ist eigentlich nur so viel: Die Honnefer Grünen konnten den Bundestrend nutzen und ergänzten diesen um lokale Besonderheiten. In Zeiten von Fridays for Future, wenn Klimaschutz und Vorsorge (!) ganz oben stehen, ist ein Projekt wie die Bebauung des Stadtgartens eben ein rasanter Antagonismus: Wir sollen (wirklich) massenhaft bestehendes innerstädtisches Grün holzen lassen und dann Wohnungen neben einer Schnellstraße errichten? Wo es stinkt, laut ist, Schadstoffe hagelt, regelmäßig alles im Hochwasser absäuft. Und zerstören nebenbei noch glücklicherweise wirkende Schutzfunktionen für ganze Ortsteile. Klar, dass so etwas die Jüngeren nicht verstehen, denn die müssten sich in der Zukunft mit solchen Fehlplanungen herumschlagen. Was sie und Andere nicht wollen.

Wir werden nicht abheben. Keineswegs glauben, dass allein unsere Meinung stets richtig und es wert sei, gegen Vernunft, Bürger*innen oder Mehrheiten durchgedrückt zu werden. Wir werden versuchen, zu unterstützen gegen Sportstättenabriss und Naturrückbau.  Besonders jecke Ideen wie den Floßwegumbau zu verhindern helfen. Radfahren tatsächlich unterstützen und dafür Förderung anstreben. Auch die Idee des Zentrums Menzenberg und dabei den guten Entwurf der Stadtverwaltung unterstützen – oder vorhandene kommunale Initiativen zu Nachhaltigkeit. Ganz wesentlich jedoch werden wir zuhören: Was wollen die Honnefer*innen, was sagen örtliche Bürgerinitiativen? Mit dieser Fähigkeit sind die Grünen groß geworden, verstehen sich als Arm engagierter Menschen in Parlamenten gleich welcher Ebene. Genau so wurde Klimaschutz zum beherrschenden Thema, zum Kriterium für gute (oder eben schlechte) Politik. Blinden Wachstumshype machen wir nicht mit, bei Beton und Versiegelung sind wir grundsätzlich zunächst mal skeptisch. Das muss gut begründet sein sowie vor allem in innovative Konzepte der Nachhaltigkeit eingebettet. Unbestechliche Absage an Kurzsichtigkeit,  Arroganz und Großmannssucht. Ausgestreckte Hand für alle Partnerinnen und Partner, die jetzt auch den Klimaschutz entdecken. Qualität vor Quantität.

Ob wir das schaffen und so weiter im positiven Sinne abseits stehen, das wird sich zeigen. Im nächsten Jahr bei den Kommunalwahlen geben uns die Bürger*innen (und nicht deren Meister) die Note. Ermutigend, dass die Honnefer Grünen im lokalen Rahmen traditionell besser abschneiden als auf der EU-Level. Insofern war es ein guter Anfang.

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