Das Bürgerbüro anno 1998 – zwei ehemalige Angestellte berichten

Die Diskussionen rund um das Bürgerbüro in Aegidienberg sind alt. Nicht ganz so alt, wie die Gemeindereform von 68/69, aber doch mehr als 15 Jahre – mindestens.

Wie man alten Zeitungsartikeln aus dem Frühjahr 1998 entnehmen kann, hatte der damalige Stadtdirektor, Dr. Juncker, schon 1997 den Versuch unternommen, die städtischen Politiker davon zu überzeugen, die Außenstelle auf dem Berg ganz zu schließen. Zwar konnten sich die Ratsmitglieder (unter ihnen die heutige Bürgermeisterin Wally Feiden), die sich in einer sogenannten Lenkungsgruppe mit der Verwaltung zusammenfanden, mit ihren Vorstellungen eines „möglichst breiten Dienstleistungsangebots“ nicht vollständig durchsetzen. Aber: Dr. Juncker bekannte dann bei der Eröffnung des neuen Bürgerbüros (vorher: Verwaltungsaußenstelle) 1998 in Form einer „kleinen Lösung“: „Wir wollen den Aegidienbergern viele Wege ins Bad Honnefer Rathaus ersparen.“ Soweit, so gut – damals!

Was blieb war die Hoffnung, dass „die Verwaltung die Chance zu mehr Bürgernähe nutzt und besser über ihre neue Dienstleistungen informiert. Das bescheidene Infoblatt, das zur Eröffnung verteilt wurde, lässt das allerdings noch nicht erkennen. Etwas liebevoller aufbereitete Informationen wären der Sache bestimmt dienlich, denn Bürgernähe funktioniert nicht von alleine.“ (Echo Bad Honnef 4/98)

Doch man muss zwei Blickwinkel betrachten: Einerseits wäre noch mehr möglich gewesen; andererseits stellte das moderne Konzept eine spürbare Erleichterung und Beschleunigung der Abläufe sowohl für die Mitarbeiterinnen als auch für die Bürgerinnen und Bürger dar. Was für heutige Verhältnisse nach der Beendigung post-mittelalterlicher Zustände klingt („Musste die Verwaltungsfachkraft bislang beispielsweise die Angaben der Bürger zunächst handschriftlich aufnehmen, um sie dann per Kurier ins Rathaus bringen zu lassen, so kann sie die Daten nunmehr direkt in ihren Computer eingeben.“, Echo 4/98), war damals eine kleine Revolution, ja gar der zwischenzeitliche Höhepunkt, da mit Ausnahme weniger Anliegen alles dort vor Ort erledigt werden konnte.

Hinzu kamen, so berichten die beiden ehemaligen Mitarbeiterinnen, persönliche Auseinandersetzungen mit der Verwaltungsspitze „im Tal“. Standen z.B. die Urlaubszeit oder Weiterbildungsmaßnahmen an, die seit Monaten geplant waren,  kam die angekündigte Vertretung nicht, um sich einarbeiten zu lassen. Seitens der Verwaltung wurde dann ein Schild rausgehangen: „Wegen Krankheit geschlossen“. Kein Wunder, dass sich die Bürger jeweils nach Wiederöffnung wunderten, wenn sie einer erholten Angestellten gegenüber saßen. Der Ausdruck vom sogenannten „gelben Urlaubsschein“ war geboren.

Dumm gelaufen auch für alle, die pünktlich zur Hauptreisezeit noch ihren neuen Reisepass abholen wollten. Begab man sich in der Hoffnung ins Tal, dort das erhoffte und dringend benötigte Dokument abholen zu können, wurde man wiederum abgewiesen: Der Pass befand sich gut eingeschlossen im Aegidienberger Tresor…

Verödung des Aegidienberger Büros – nur ein Bauernopfer?

Da liegt die Vermutung nahe, die Verwaltung wolle das Aegidienberger Büro langsam, aber sicher „austrocknen“ lassen. Inzwischen ist die Sache mit dem Tresor und den dringend benötigten Dokumenten aus Sicht der Stadt elegant gelöst: An der Türe weist ein Schild den Bürger darauf hin, dass er als Aegidienberger seinen Pass dienstags und donnerstags nachmittags nun auch in Honnef abholen könne. Wie service-orientiert!

Und alle anderen kommen gar nicht mehr, weil die Erfahrungen der letzten Jahre zeigen: Verlässlich ist nur, dass man sich auf die Verwaltung in Bezug auf das Berg-Büro nicht verlassen kann.

So bleibt dem Bürger nur der Galgenhumor: Kommt das Büro nicht zu den Bürgern – das wäre der wesentlich einfachere Weg – müssen die Bürger, egal wie und wann, eben zum Büro kommen – koste es Zeit und Wege!

Fazit der ehemaligen Angestellten: Die Stadt kürzt mit ihren Maßnahmen an der falschen Stelle. Niemandem ist geholfen, wenn das Büro jetzt „probeweise“ nur noch 12 Stunden die Woche geöffnet ist – das Problem liegt besonders in der fehlenden Verlässlichkeit! Zuverlässigkeit bedeutet sicheren Zugang während der Öffnungszeiten. Und für den absoluten Notfall: wenigstens eine frühzeitige Bekanntmachung, die auf personelle Engpässe hinweist und um das Verständnis der Bürger bittet. Das ist dann immer noch besser, als die aktuelle Praxis!

Sobald die Mitarbeiterin auf dem Berg ausfällt, stehen die Bürger vor der geschlossenen Tür. Fehlt „unten“ Jemand, so musste sie in den letzten Monaten einspringen und oben zusperren. Zuverlässige Präsenz ist jedoch das Mindeste, was die Stadt während ihrer Erprobungsphase gewährleisten muss. Andernfalls ist es nicht weiter verwunderlich, wenn die Besucher ausbleiben – man hat es nicht anders gewollt!

 

Veröffentlicht im Siebengebirgsboten am 20. März 2013. 

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