Wenn mensch ein Ziel hat und dort hin will, sollte mensch wissen, wo er herkommt.

Noch heute setzt sich der Himberger aufs Rad und fährt „nach Aegidienberg“. Oder „nach Rottbitze“. Die Bergbewohner wissen gut um ihre 13 Dörfer, die zusammengenommen das ausmachen, was der Rest der Welt schlicht „oben“ nennt oder unter „Aegidienberg“ verallgemeinert oder noch simpler unter „Berggemeinde“.

Erst 1969 zu Bad Honnef geschoben und vorher eigenständig oder KöWis lässt sich schon nachvollziehen, dass Aegidienberg beim Tal-Honnefer über Jahre kaum stetige Präsenz genoss. Haben die da oben in „ihrem“ Gemeinderat erst 1963 ihr Wappen mit den drei Bergen und den Karos samt Turm beschlossen – und schwupps sind sie 6 Jahre später den Gemeindestatus bereits los. (Nicht aber das Wappen…)

Überhaupt, was ist denn die Identität eines Ortes, dessen Namenspatron als einer der 14 Schutzheiligen gleichzeitig zuständig ist für/gegen Dürre, Krebs, Irrsinn, Krüppel, Feuersbrunst? Der die Sorge für stillende Mütter mit der gegen eheliche (!) Unfruchtbarkeit vereint, die für Krüppel mit der fürs Vieh. Der zudem anzurufen ist bei Pest und Aussatz, bei Depression und psychischen Leiden (aha), von Hirten und Bettlern. Und damit es nicht gar zu bescheiden bleibt, sagt er noch gleich das Wetter an:

Wenn Aegidius bläst in‘s Horn, heißt es: Bauer, sä‘ Dein Korn.

oder

Gib auf Aegidius Acht, er sagt Dir, was September macht.

Noch Fragen?

Natürlich feiert der Berg seinen omnipotenten Patron. Mit einer Rievkoochekirmes, obwohl die Kartoffel im tonig-dürren Boden erst mit Neuzeit und Kunstdünger Einzug hielt, während es hier über Jahrhunderte nachgewiesenermaßen nur Hafer und Gerste samt spärlicher Viehzucht gab. Sie feiern vor einer Kirche, die es seit dem 12. oder 13. Jahrhundert gibt, die ihren „Turm mit Rombendach und Dreiecksgiebel“ aber erst 1893 erhielt – doch diesen bereits als Wahrzeichen feiert, als wenn es ihn schon immer gäbe – und ihre Seitenschiffe erst 1923.

Selbstverständlich beging der Berg Heldentaten. So rieben gut trainierte Reservisten idealistische rheinische Separatisten in einem Scharmützel auf – und heute erinnert ein Denkmal in Hövel an eine siegreiche Schlacht. Während die längst geschlossenen vier Buntmetallgruben „Gotteshilfe“, „Flora“, „Anrep-Zachäus“ und „Emma-Sofie“ gründlich vergessen sind, weist eine Statue samt Gedenkstein an der A3 auf Höhe Hövel (Zufall?) auf das Ende der bekanntesten deutschen Geiselnahme hin – wobei hier nicht Einheimische das Gangsterauto stoppten. Und – niemals vergessen! – es waren Aegidienberger, die den Honnefer Galgen (an der heutigen Lohfelder Straße) produzierten und warteten; es waren Aegidienberger Franziskanerinnen, die aufopferungsvoll über Jahre den Kurs gaben: „Schulung von Jungfrauen in hauswirtschaftlichen Fertigkeiten“.

Schicksalsfrage: Honnef oder Köwi?

Noch heute gibt es trauende Bewohner: „Wären wir doch damals zurück nach Königswinter gegangen und nicht nach Honnef eingemeindet worden!“ Verwundern kann diese Entscheidung jedoch nicht, wenn bereits seit 1855 die Schmelztalstraße als Landesstraße den Berg mit dem Tal verbindet, aber erst 1955 eine kleine Kreisstraße nach Ittenbach entsteht. Und es hieß in der ersten Urkunde 1345 Hunferode oder Honnefer Rott – mitnichten KöWi…. Aus dem Ortsnamen wissen wir jedoch auch, wie fleißig das Bergvolk seit 948 war beim Roden des Waldes und in den Köhlereien.

Gerade mal 43 Jahre nach der Eingemeindung macht es Sinn, sich Gedanken zu machen: Wie nutzt Aegidienberg jetzt den positiven Trend der letzten Dekade und verstetigt ihn? Wie lassen sich der nun guten Versorgungslage andere gründliche Verbesserungen hinzufügen? Im Verkehr oder mit einem Aegidiusplatz als wirklichem und attraktivem Ortszentrum. Beim Schutz der umgebenden Natur und Wälder.

Stellen Sie sich vor, Sie wäre Jugendlicher auf diesem schönen Berg. Eine (eine!) Schule hier oben, und die nicht mal weiterführend. Zudem ein ungenügender Öffentlicher Personennahverkehr, der Sie nur schwer in Zonen attraktiverer Freizeitgestaltung kommen lässt. Das macht doch nicht wirklich Spaß.

Also gibt es noch etwas aufzuholen. Genau hier liegen Sinn und Aufgabe des Bezirksausschusses. Jedes Mal nach Kommunalwahlen kommt unvermeidbar die zyklische Überlegung: Sparen wir dieses Fossil doch endlich ein und schließen es – dabei kann er noch Einiges tun…. Und dann ist er genau richtig.

Veröffentlicht im Siebengebirgsboten vom 22. August 2012.

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