Vorschläge für einen gemeinsamen Antrag zum Bürgerbüro

Nach gut einem Monat der Gespräche und Diskussionen wissen nicht nur wir, dass die Aegidienbergerinnen und Aegidienberger Kürzungen der Öffnungszeiten ihres Bürgerbüros ablehnen.

Es fällt schwer, überhaupt Leute zu finden, die da anderer Meinung sind. Also sollte der Bezirksausschuss auch Entsprechendes beschließen. Vielleicht klappt es ja, zu einem derart eindeutigen Thema auch in den Parteien einen gemeinsamen Standpunkt zu finden.

Der Antragstext könnte heißen:

Der Bezirksausschuss lehnt die Absicht der Verwaltung ab, die Öffnungszeiten des Bürgerbüros in Aegidienberg einzuschränken.

Der Bezirksausschuss spricht sich aus für

–   eine tägliche Öffnung des Bürgerbüros über eine relevante Kernzeit sicherzustellen,

–   an einem Tag der Woche das Bürgerbüro bis 18 Uhr offen zu halten,

–   dies dem Bezirksausschuss in dessen nächster Sitzung unmissverständlich mitzuteilen.

Die entsprechende Stellenausweisung soll festgelegt werden.

Ein neues, ausführlicheres Aufgabenprofil  kann helfen, das Angebot des Bürgerbüros effektiver und überzeugender zu gestalten. Die Leistungen sollen so ausgelegt sein, dass die Einwohnerschaft tatsächlich diejenigen Erledigungen vor Ort machen kann, die die Gesamtheit der alltäglichen Behördengänge ausmachen. Ziel ist es auch, den Stadtteil Aegidienberg für bereits dort Wohnende wie auch Zuzugswillige attraktiver zu machen.

Die Begründung des Beschlussantrags könnte beinhalten:

Der Ausschuss stellt sich bewusst und entschieden an die Seite der Bevölkerung in der Berggemeinde. Er weiß:

–   Ein Bürgerbüro ist die zuverlässige und kontinuierliche Anlaufstelle für die Bewohnerinnen und Bewohner  zur Erledigung ihrer zentralen Amtsgänge.

Deshalb ist das Bürgerbüro Aegidienberg ausdrücklich täglich zu öffnen.

–   Ein Bürgerbüro ist Service und Statement zugleich. In Ergänzung der Ämter sagt es als eine Art Front Office aus, dass die Verwaltung für die Belange der EinwohnerInnen präsent ist und bereit steht.

Deshalb ist die Bekanntgabe einer Kürzungsabsicht in diesem Bereich ein eindeutig falsches Signal.

–   Bürgerbüros sind in ihrer Naht- und Schnittstellenfunktion gewollter Ausdruck von Kundenorientierung. Sie bearbeiten den Kern der Aufgaben, die jeder Bürger und jede Bürgerin bei seiner und ihrer Stadtverwaltung erledigen muss. Mit dem Bürgerbüro sucht die Verwaltung den Kontakt zu ihren gleichermaßen Kunden und AuftraggeberInnen.

Die Kürzungsabsicht lässt kein zeitgemäßes Verständnis von dienstleistender Verwaltung erkennen.

Die Berggemeinde braucht das Bürgerbüro, denn:

–   Der Weg zum Rathaus im Tal ist weit. Er kann verschiedenen Bevölkerungsgruppen nicht auch zur Verrichtung der Kern-Amtsgänge zugemutet werden. Senioren und Seniorinnen, Berufstätige, Neubürger und Neubürgerinnen sollen auch weiterhin einen wichtigen Teil der Verwaltung ortsnah finden und besuchen können.

Deshalb wurde das Bürgerbüro Aegidienberg eingerichtet. Diese Gründe bestehen nach wie vor.

–   Aegidienberg mit seinen 13 Ortsteilen ist das ausgewiesene Areal des Wachstums unserer Stadt. Nicht nur neue Gewerbegebiete werden fast immer dort eingerichtet und dienen dann der Refinanzierung der Selbstverwaltung Bad Honnefs; auch die Einwohnerzahl steigert sich in erster Linie dort.

Wir wissen das. Und wir wollen das.

–   Dementsprechend wirbt die Stadt um Ansiedlung neuer BewohnerInnen gerade in ihrer Berggemeinde. Dabei steht sie im Wettbewerb mit Nachbarorten, bei denen eine gediegene Infrastruktur auch “oben” zum selbstverständlichen Standard gehört. Hier in frühe Zeiten der kleinstädtischen Zentralverwaltung zurückzufallen bedeutet die Schaffung eines kapitalen Standortnachteils.

Auch deshalb bleibt es richtig, dass Bad Honnef potentiellen Neubürgern und Neubürgerinnen eine bürgernahe Verwaltung bieten will.

–   Die höher gelegenen Stadtteile haben bereits mit strukturellen Nachteilen zu kämpfen. Jugendliche finden ab dem frühen Alter von zehn Jahren keine einzige Schule am Wohnort mehr vor; sie sind dann samt und sonders zum Schultourismus verpflichtet. Ihr Kultur- und Freizeitangebot ist stark eingeschränkt. Vor wenigen Jahren wurde der Edeka als Lebensmittelversorger am Aegidiusplatz (in der Nähe der Seniorenresidenz Franziskushaus) geschlossen. Zahlreiche weitergehende Verwaltungsfunktionen fordern jeweils längere Fahrten – wobei die Anbindung mit öffentlichen Verkehrsmitteln durchaus verbesserungswürdig ist.

Deshalb bemühen wir uns um eine Optimierung der Verhältnisse und wollen so erzielte Erfolge wie im Bereich der Versorgung keinesfalls konterkarieren lassen.

Der Bezirksausschuss  erwartet die sofortige Aufgabe jedweden Plans, die Öffnungszeiten des Bürgerbüros am Aegidiusplatz zu kürzen. Die Einwohnerschaft unseres oberen Stadtteils wächst stetig; heute sind es schon fast 7.000 Menschen dort. Wir wollen sie angemessen behandeln.

Der Ausschuss nimmt gern an der Beratung über ein neues Aufgaben- und Leistungsprofil des Bürgerbüros teil. Heute weiß die Verwaltungswissenschaft, dass Sparpotenzial nicht in der Zentralisierung kommunaler Administration liegt. Im Gegenteil hilft zielgerichtete Dezentralisierung, Innovationen und Effektivierung durch intelligente Vernetzung zu fördern. Alle technischen Voraussetzungen für dezentrales Arbeiten liegen heute mit gesicherten und leistungsfähigen Lösungen vor.

Natürlich freuen wir uns über Kommentare und Kritik sowie Veränderungen oder Textalternativen.

Also werden wir uns um einen Weg bemühen, mit anderen Parteien, mit den Menschen selbst in Aegidienberg  in Diskussion und Beratung zu kommen. Wir warten auf Ihre persönliche Meinung unter info@gruene-bad-honnef.de.

Veröffentlicht im Siebengebirgsboten am 12. Dezember 2012.

 

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