Verkehr auf dem Berg: Struktur gut, Elemente durchwachsen, Details gehen besser

Wenn die Gestaltung des Aegidiusplatzes über ein Kfz-Parkgelände hinaus (s. Siebengebirgsbote Ausgabe 463) und Park+Ride ein so lebhaftes Echo finden, dann ist Verkehr ein Thema auch in der Berggemeinde. Ein kompliziertes Thema obendrein.

Wenn Grüne etwas zu Verkehr sagen, dann denken sie an Menschen: Menschen zu Fuß, Menschen auf Rädern, Menschen in Autos, Menschen in öffentlichen Verkehrsmitteln (ÖPNV). Große Menschen, die sich im Verkehr auskennen, und eben auch kleine Menschen, die mehr Schutz brauchen und noch lernen, sich im Verkehr zurecht zu finden.

Wenn Grüne an Verkehrsplanung beteiligt sind, dann ändert sich über kurz oder lang etwas. Natürlich geht es nach wie vor auch um die Optimierung des Kfz-Verkehrs – zumal im Siebengebirge, wo es ohne Auto kaum geht. Aber es kommen neue Dimensionen und Sichtweisen hinzu; und das ist gut so! Wir wünschen uns einen Paradigmenwechsel: Autos UND Mensch sollen eine Rolle spielen (im besten Fall sogar umgekehrt). Dazu gehört auch, dass die Stadt, wenn sie Tourismus will, gute Angebote für RadlerInnen und FußgängerInnen macht. Und wenn sie junge Familien will, dann brauchen die jungen Leute ÖPNV, Sicherheit und Mobilität auch jenseits des elterlichen Autos.

RADFAHREN auf dem Berg

Wenn Aegidienberg schon so viel zu bieten hat, dass mensch komfortabel bis Oberpleis auf eigenen Wegen Rad fahren kann, dann sollte die gesamte Ortsdurchfahrt und Achse auf ein solches Level ausgebaut werden. Es fehlt ein Rest: Der Radweg neben der Rottbitzer Straße über Reifen Weinz hinaus MUSS her – vorbei am Vorteilcenter bis zum neuen Gewerbegebiet Dachsberg, in kombinierter Nutzung auch für FußgängerInnen.

Darüber hinaus stehen RadfahrerInnen bereits gute Möglichkeiten zur Verfügung, so dass Andere extra auf den Berg kommen, um hier Rad zu fahren. Allerdings gibt es zwei Probleme mit Verbesserungsbedarf bei uns selber – Auto- wie RadfahrerInnen: Zum einen brauchen die kleinen kurvenreichen Feldstraßen zwischen den 13 Dörfern MEHR vorausschauende Rücksicht (die Orscheider und Wülscheider in Richtung der Rottbitzer Straße), damit ihr idyllischer Charme und ländlicher Charakter nicht zur Gefahr für Schwächere wird. Zum anderen müssen manche Biker ihr Verhalten im Wald radikal ÄNDERN, auf den Wegen bleiben und Menschen zu Fuß respektieren.

ZU FUSS im Alltag und als Tourist oder Sportler

Insgesamt geht und läuft es sich in und um Aegidienberg jedoch prima – Ehre, wem Ehre gebührt! Und diese Regel wird hier nur durch wenige Ausnahmen bestätigt: Der fehlende Abschnitt entlang der Rottbitzer würde außerdem den touristischen Anspruch für Wanderer überzeugender aussehen lassen. Langsamere Tempi der Kfz auf den gewundenen Feldstraßen würden überdies auch hier schützen. Zudem wären die diversen Verkehrsflüsse im Bereich der Versorgungsdiscounter mit geringem Aufwand zu verbessern; ein oder zwei Zebrastreifen sowie eine Reduzierung der zahllosen Pflasteranhebungen des Trottoirs würden den Weg zumindest für Kinderwagen erleichtern.

Als schwierig allerdings erweist sich die Lage der einzigen (!) Schule in Aegidienberg; sie liegt in einem Gelände, welches die tägliche Anreise von GrundschülerInnen per Rad nicht wirklich nahelegt. So treffen sich dort nicht nur zahlreiche Busse; auch wirklich viele elterliche Fahrzeuge geben sich ein Stelldichein. Ob hier überhaupt etwas zu machen ist, wäre ein Thema für den Bezirksausschuss. Aus unserer bisherigen Kenntnis heraus, beurteilen wir dies eher skeptisch.

Denn letztendlich untersucht Verkehrsplanung zuerst gemeinhin QUELLEN und ZIELE. Bei 13 gestreuten Dörfern ist die Frage der Quellen schwierig zu beantworten. Die innerörtlichen Ziele sind leicht auszumachen:

–       die Schule,

–       der Aegidiusplatz – umso intensiver, je mehr er Treffpunkt und dörfliches Zentrum wird,

–       die Versorgungsbereiche um die Discounter und die Dienstleister (Banken, Tankstellen) herum, sowie schließlich

–       die Gewerbegebiete

PER AUTO ohne Stau

Bei keinem dieser Ziele mangelt es an Parkplätzen. Allerdings ist es sinnvoll, die in Aegidienberg offensichtlich praktizierten Fahrgemeinschaften vom Aegidiusplatz zu entkoppeln und dieser Form des Park+Ride gut geeignete eigene Plätze zur Verfügung zu stellen. Einen für Süden und Osten im Gewerbegebiet Rottbitze (im Gelände hinten links, wie geschaffen für diesen Zweck, s. Ausgabe 463) und einen nach Norden im Bereich Brüngsberg/Hövel.

Die bestehenden Zu- und Einfahrten zu diesen Zielen funktionieren gut bis leidlich. Bei der Anlage des neuen Gewerbegebietes Dachsberg bietet es sich an, die benachbarte Autobahnauf- und -abfahrt als einen der beiden Verkehrsengpässe in einen größeren, leistungsfähigen (ovalen) Kreisverkehr zu integrieren.

Auf diese Weise entstünde eine VERKEHRSACHSE mit 3 KREISELN (Dachsberg/BAB, Vorteilscenter/Gewerbegebiet, Kreuzung Himberger), die den Fluss auf der Rottbitzer Straße harmonisiert. Wichtig dabei ist: Diese größte Durchgangsstraße der Berggemeinde wird nur dann tatsächlich leistungsfähiger, wenn alle 3 großen Querungen mit Kreiseln geregelt werden und somit vollkommen auf herkömmliche Kreuzungen als Störfaktor dazwischen verzichtet wird. Hinzu kommt das dann steigende Maß an Sicherheit (Unfallhäufigkeit an Kreuzungen durchschnittlich 17 Mal so hoch wie an Kreiseln mit gleichem Kfz-Aufkommen!) sowie die Eignung für Langholztransporte (= mind. 34 Meter Durchmesser).

Ein vierter Kreisel existiert bereits bei Edeka und regelt die geteilte Verkehrsableitung nach Westen und Norden. Hier begrüßen wir – ebenso wie (sehr) viele Passanten – dass die heutige, einem ästhetischen Amok gleichende Gestaltung nur eine grotesk geschmacksverirrte Übergangslösung ist, die durch die bereits im Bezirksausschuss beschlossene und durch Sponsoring finanzierte Darstellung von für Aegidienberg typischen Gangpferden und Stelen aus Siebengebirgsgestein abgelöst wird.

Vergleichbare Gestaltungen sind noch gefordert für zwei weitere Kreisverkehre (Himberger/Rottbitzer, Dachsberg/BAB), über das vom (hierzu verpflichteten) Vorteilscenter gewählte Design sind wir selbst unter Grünen nicht einig. Wenn eine Ideensammlung für den Aegidiusplatz mit Schirmherr (s. Siebengebirgsboten 463) eine gute Lösung darstellt, dann könnte für einen Kreisverkehr ein richtiger Wettbewerb mit Mäzenatentum Aussage und schöne Gestaltung zusammenbringen. Ergänzt um die Geranienampeln an Straßenlaternen und einem Willkommens-Portal nach Norden in Brüngsberg oder Hövel wird das ein Gewinn für die ganze Berggemeinde.

Veröffentlicht im Siebengebirgsboten vom 11. Juli 2012.

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