So könnte der Berg werden – Vision und Konzept für Aegidienberg

Vorab Dank für die doch zahlreichen Reaktionen. „Aegidienberg auf einem guten Weg“ (7Gebirgsbote letzte Ausgabe) – das teilten zwar fast alle KommentatorInnen, doch es gab einiges anzuregen und mehr noch zu kritisieren. Wir trauen uns eine Antwort zu und fassen zusammen, wie eine gute „grüne“ Ortsentwicklung aussehen könnte oder auch sollte:

Ja, natürlich wurde es über Jahrzehnte versäumt, Gewerbegebiete auszuweisen und auch nur irgendeine Wirtschaftsförderung zu betreiben. Und auch ja, natürlich ist heute kaum ein Konzept erkennbar jenseits des Wachstums als irrigem Versuch, etwas aufzuholen gegenüber Ittenbach im Norden und den zwei rheinland-pfälzischen Nachbargemeinden im Süden. In der Tat bewegt sich Bad Honnef insgesamt zwischen diesen beiden Polen: einerseits verschont von den furchtbarsten Anlagen à la Wirtgen und gleichzeitig verlassen von den Steuereinnahmen Birkenstocks – andererseits in wilder Hatz und sehr kurzer Zeit besiedelt von gleich vier Discountern samt neuer Tankstellen und tollem Sortimenter Edeka, die auch die Nachbarn versorgen, wie ihre durch NR-Nummernschilder dominierte Parkplätze beweisen.

Honnefs Berggemeinde ist mangels Platzes im Tal der Ort möglichen quantitativen Wachstums für die Stadt. Das wissen auch die Grünen, akzeptieren dies jedoch nur unter Wahrung der Aspekte „Qualität“ und „Nachhaltigkeit“. Aegidienberg soll (geplant) schöner und lebenswerter werden durch gezielte Bausteine:

–             Bildung eines attraktiven Ortskerns, also durch Gestaltung des Aegidiusplatzes als dörfliches Zentrum mit entsprechender Bepflanzung sowie Bebauung für Anlieger, Bank, Läden und Gastronomie – aber auch Kirmes, Bürgerbüro, Jugendtreff, Bürgerhaus

–             konzeptionelle Arrondierung der entzerrten Versorgungsbereiche (Fach- und Sortiment-märkte, Discounter, Dienstleister) und deren Vernetzung mit guten Wegen auch für Fuß und Rad

–             Gewerbegebiete von Qualität und Effizienz (Beispiel Dachsberg mit Autohof und Coppeneur als Schoko-Erlebniswelt) unter Verzicht auf Wettbewerb mit den Nachbargemeinden rein über Bodenpreis und/oder Hebesätze – mit dem Ziel, für „unsere“ Klientel schlicht besser zu sein (auch als die beton-strotzenden Windhagen und Sankt Katharinen)

–             Verkehrskonzept mit einem geschlossenen System von Kreiseln statt Kreuzungen/Ampeln zur Erhöhung der Leistungsfähigkeit betreffend Durchsatz, Unfallhäufigkeit, Sicherheit und Emissionsreduzierung – dabei ausreichend groß (Langholz bspw. benötigt einen Durchmesser von mind. 34 m) und ohne Beschädigung der Anwohnerhäuser (das geht!); mit wenigen Korrekturen auf der Rottbitzer (Zebrastreifen, paralleler Fußweg) und Verbesserung einiger radfähiger Verbindungen zwischen den Dörfern (sicher für Jugendliche und als Schulweg)

–             strukturelle Verbesserungen mit einer Ausweitung des in aller Ehrlichkeit völlig unzeit-gemäßen Schulangebots an der Spitze, unter Renovierung des immer noch lausigen ÖPNV (Busse, Anschlüsse) und zügigem Sportstättenausbau (Großhalle, Kooperation mit Königswinter)

–             Steigerung der gestalterischen Attraktivität in Verbindung mit der Schaffung von Identität, „Portale“ an den Ortseingängen (in jedem Fall Gestaltung der Kreiselinnenräume; ansprechendes Willkommen nach Norden in Hövel), gern auch Geranienampeln, 12 Bäume auf den Aegidiusplatz (jetzt!), Sicherung der wirklich beträchtlichen Eigeninitiative der BergbürgerInnen vom Bürgerhaus bis zu Vereinen und Verbänden

–             gezielte Förderung der „gewollten“ und nachhaltigen Wirtschaft sowie der überragenden Ressource Natur – auf Pferde und Tourismus setzen, alle (!) Qualitäten des Siebenge-birges erhalten – sämtliche wertvolle Flächen dort sind tabu, Wildnis als Qualitätssteige-rung, Waldkonzept, Wandern und Naherholung samt sanfter Binnenerschließung (Rad-tauglichkeit, ÖPNV)

Das ist jetzt in weiten Teilen sehr konkret. Was wir prima finden, denn so sollten kommunalpoliti-sche Konzepte (jenseits aller generösen Visionen) sein. Auf unbezahlbare Träumereien und auf unbegründete Dogmen verzichten wir mit Freude, denn manches über viele Jahre siechende Konzept mahnt: Hier oben geht es nur im Konsens und mit klaren realistischen Schritten.

Genau deshalb gefiel uns die letzte Sitzung des Bezirksausschusses so gut: Eine Reihe handfester Beschlüsse, manche davon einstimmig. Inklusive der (überraschenden) Fähigkeit, die kleinen Defizite eigener Vorschläge zu erkennen und offen für Modifikationen zum Besseren zu sein. Wenn jetzt noch Aegidienbergerinnen und Aegidienberger einbezogen werden – z.B. bei der Gestaltung des Aegidiusplatzes oder der Kreisverkehrsrondelle über einen interaktiven Ideenwett-bewerb – dann ist das der „gute Weg“, auf dem wir die Berggemeinde sahen.

Veröffentlicht im Siebengebirgsboten am 30. Mai 2012.

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