… das Bürgerbüro kürzen? So ein Unsinn! Kümmerer oder Alibi

Wie können die nur….

Es war schon eine fragwürdige Geste, die das Honnefer Rathaus zur letzten Sitzung des Bezirksausschusses mitbrachte. Die Bürgerbüro-Dependance am Aegidiusplatz solle „unbedingt erhalten“ werden, es ginge „nur“ um ein paar Kürzungen der Präsenz auf z.B. 2 Tage die Woche…. Wie bitte?

Das ist nicht gut. Das hat schon was vom Duktus einer Zentralverwaltung.

Als dann auch noch kurzfristig das Vokabular entgleiste – das Büro sei eine „freiwillige Leistung“, was streng rechtlich zwar zutrifft, aber dennoch mindestens unangemessen ist – kam es, wie es kommen musste: Das war dem Bezirksausschuss dann doch zu viel der Huld – er will belastbare Zahlen sehen.

Die müssten eigentlich so aussehen: Gut ein Viertel der HonneferInnen wohnt auf dem Berg, vier Kräfte (plus Mehraufwand) kümmern sich im Bürgerbüro um die Publikumsfront – ergo gehören mindestens ein bis zwei Stellen nach oben. Oder auch nicht völlig von der Hand zu weisen: Honnefer Einwohnerwachstum findet ganz wesentlich im Stadtteil Aegidienberg statt. Die Gemeinde will das auch genau so und wirbt dafür – was spräche also gegen die gezielte Verlegung eines kleinen Teils der Verwaltung auf den Berg, z.B. des kompletten Bürgerbüros?

Wir sind wirklich gespannt auf die Argumentation. Mal ernsthaft: Wer ist denn hier auf Abwegen?

Den Berg versorgen und mit Qualität werben

Wenn wir die Vernachlässigungen listen wollten, so ergäben sich noch mehr Stiefmütterlichkeiten gegenüber „oben“ als der Vorenthalt jedweder weiterführenden Schule, als die wenigen Sportstätten, als die schlechte Nahverkehrsanbindung und die Ferne der Behörden. Einer ganzen Altersgruppe wird fast nichts geboten – der Jugend bleibt nach wie vor nicht viel mehr als der Exodus: zur Schule wie zu praktisch allen Arten und Orten attraktiver Freizeitgestaltung mit Ausnahme einiger Sportarten; zu Bibliothek, Kino, Konzerten, fast allen Treffpunkten. Nicht einmal kulinarisch wird derzeit an die Jugend gedacht.

Apropos Stiefmutter: was will uns die Verwaltung damit sagen, gerade dort das Bürgerbüro einzuschränken, wo die Bürgermeisterin wohnt? Frau Feiden setzt sich für eine neue Sporthalle ein, organisierte wichtige „Kleinigkeiten“ wie die schützende Ampel in Himberg. Sie zeigt oft und gern Präsenz in Aegidienberg. Es ist sicherlich an der Zeit, das eigene (Rat-)Haus auf Trab zu bringen!

Warum wohl leistet sich Königswinter – wie andere Städte auch – ein zweites Verwaltungsgebäude in Oberpleis? Könnte es sein, dass solche Entscheidungen sogar von wesentlicher Bedeutung für den Erfolg der dortigen Berggemeinde sind? Sind die Kirchen nicht schlau, wenn sie wissen, dass sie sehr wohl auch oben vor Ort vertreten sein müssen?

Natürlich ist das so: Kundenorientierung! Service! Aber auch gezeigte Wertschätzung und Respekt. Und nicht zuletzt ein Stück Lebensqualität.

Behördennähe ist ein wichtiges Argument auch für potentielle Neuansiedler – neben Kindergärten und Schulen, Versorgung und Logistik, Natur und Kultur. Wer eines dieser Argumente nicht zu bieten hat, der ist arm dran im Wettbewerb der Kommunen um Neubürgerinnen und Neubürger. Wer ein solches Argument jedoch sehenden Auges abbaut und/oder nicht pflegt, der erweist seiner Gemeinde einen Bärendienst. Und das sollte niemand aus dem Rathaus tun. Denn wer das tut, der setzt ein falsches Signal!

Natürlich ist jede Anlaufstelle einer Verwaltung nur dann erfolgreich, wenn sie regelmäßig (!) angelaufen werden kann. Jedermann und Jedefrau weiß das. Täglich muss es eine Kernzeit geben, wo mensch weiß: Die sind da, da kann ich jetzt hin. Warum aber wird versucht, das zu unterlaufen – obwohl die Argumente gegen solche Absichten sehr simpel und profan sind?

Bürgerservice statt Huld der Monarchen

Es ist wichtig, schnell umzukehren. Schon Hänsel und Gretel machten die Erfahrung, dass zu langes Verharren auf dem Irrweg zu Problemen führt. Und im Ernst: Klar doch hübscht es die Honnefer Verwaltung auf, näher an die Menschen heranzukommen. Es ist das Wesen jeden Kostgängers – und das ist die Verwaltung! – ,nah bei seinem Wirt – und das sind die Bürgerinnen und Bürger – zu sein – sonst gibt’s kein Zuckerli für Hotte, kein Leckerli für Bello, keine Blumen am Muttertag, nichts Leckeres in der Küche – geschenkt, dass sich so „nebenbei“ auch die Parkuhren auf dem Aegidiusplatz kontrollieren ließen.

Der Bezirksausschuss sollte die gelbe Karte zeigen. Er sollte verlangen:

–       Das Bürgerbüro bleibt in Aegidienberg.

–       Es öffnet täglich zu einer Kernzeit – mindestens jedoch für vier Stunden.

–       An einem Tag der Woche ist es für Berufstätige bis 18 Uhr geöffnet.

–       Die Verwaltung erstattet nach sorgfältiger Prüfung Bericht, ob sie in Aegidienberg genügend präsent ist.

Damit lässt sich noch nicht ein Werbeprospekt für Zuzugswillige schmücken, denn das machen andere Gemeinden ja auch. Doch es wäre ein erster Schritt zur Besserung. Was mensch erwarten kann.

Veröffentlicht im Siebengebirgsboten vom 17. Oktober 2012.

 

 

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