Da war doch noch was? Oder: Warum der Bürgerservice der Stadtverwaltung in Aegidienberg ankommt!

So positiv wir manche Entwicklung und besonders die Ergebnisse des letzten Bezirksausschusses – konkret die Neugestaltung und Bewirtschaftung des Aegidiusplatzes, die Versorgungslage in Rottbitze und die Chance zu einer offenen Schuldiskussion – bewertet und kommentiert haben – ein Punkt beschäftigt uns noch immer: Die von der Stadtverwaltung geplante Kürzung der Öffnungszeiten des Aegidienberger Bürgerbüros.

Das wollen wir nicht hinnehmen.

Nehmen Sie an, wir hätten uns in den vergangenen Tagen auf dem Aegidiusplatz umgehört: Eine gestresste Mutter – ein Kind auf dem Arm, eines an der Hand – hätte uns Rede und Antwort gestanden; eine Seniorin, die im nahegelegenen Franziskushaus lebt; und zwei Jugendliche, die wir auf dem Weg zum Jugendtreff abgepasst haben, hätten mit uns gesprochen. Ergebnis dieser kleinen, gewiss nicht repräsentativen Umfrage: Die Pläne der Verwaltung hinsichtlich Kürzung der Öffnungszeiten  des Bürgerbüros sind zum Scheitern verurteilt. Es wird in Aegidienberg wohl niemand geben, der sie begeistert kommentiert und bereitwillig hinnehmen wird.

Jugend braucht Ansprechpartner vor Ort.

Beginnen wir mit den Jugendlichen. Dass ihnen hier oben wenig geboten wird, ist bereits bekannt. Angefangen beim Schultourismus, der dazu führt, dass sie jeden Tag in alle Himmelsrichtungen talwärts aufbrechen müssen, obwohl sich eine weiterführende Schule auf dem Berg durchaus lohnen würde, über fehlende Freizeitgestaltung in Form von Sportstätten und Lokalitäten bis hin zum städtischen Service, den auch diese Bevölkerungsgruppe hin und wieder beanspruchen muss – hier bietet sich gleich eine Fülle von Verbesserungsmöglichkeiten! Und wenn diese Gruppe in die Welt hinauszieht, dann aber vielleicht nach 10 oder 15 Jahren zur Familiengründung zurückkehrt, dürfen Investitionen in jugendfreundliche Projekte gerne als nachhaltig betrachtet werden.

Egal, ob der erste Personalausweis oder Reisepass beantragt werden muss – eine Mehrzahl wird stolz sein, ihn endlich in Händen zu halten. Ob der Umzug in die Ausbildungs- oder Studienstadt Meldeaktivitäten verlangt – es ist eine wichtige Zäsur im Leben, gründlicher Aufbruch in Selbstverantwortlichkeit. Und umso schöner, wenn man „für so was“ nicht extra nach Honnef fahren muss.

Senioren müssen oft Einschränkung von Mobilität in Kauf nehmen – sie brauchen keine weiteren Hindernisse.

Und dann die Senioren. Ein Großteil von ihnen mag heutzutage vergleichsweise lange rüstig und munter zu Fuß unterwegs sein – weite Wege zurückzulegen, nur um Kleinigkeiten zu organisieren, möchte man dennoch niemandem zutrauen. Oder doch?

Nein, denn auch Rentner investieren  ihre Zeit lieber in ihre Hobbies, verbringen die kostbare Zeit mit den Enkelkindern und Familien (wo sie gefragt sind und wichtige Funktionen erfüllen) und sind ganz bestimmt nicht gerne auf eine Autofahrt angewiesen, um ihre benötigten städtischen Dienstleistungen bei einer Art Zentralverwaltung im Tal zusammensuchen zu müssen. Und wenn sich dieser Zustand verschlechtert oder gar ein Rollator ins Spiel kommt, ist es unzumutbar, sie zu einer  Busfahrt zu zwingen, um im Honnefer Rathaus ihre Angelegenheiten zu regeln.

Unsere Seniorin aus dem Franziskushaus ist bereits spürbar „geschädigt“ durch Schließung des Edeka-Marktes und der Schlecker-Filiale am Aegidiusplatz um die Ecke. Soll sich die Verwaltung der Bürgerschaft wirklich hier einreihen?

Familienorientierung heißt Da-Sein…. nicht Weggehen.

Das wichtigste ist allerdings ohne Zweifel, dass an die Familien gedacht wird. Sie sind die Einwohner, die wegen Lage & Luft, des guten Preis-Leistungs-Verhältnisses, der Versorgung und der Freiheiten, die ihnen und den Kindern auf dem Berg geschenkt werden, hierher ziehen – und lange bleiben. Es ist diese Gruppe, die sich in den vergangenen Jahren hier angesiedelt und der ganzen Stadt ein Bevölkerungswachstum beschert hat. Sollten diese zuvor umworbenen MitbürgerInnen nun durch eine vermeintliche Kleinigkeit wie die Kürzung der Öffnungszeiten des Bürgerbüros vor den Kopf gestoßen werden? Sicher nicht!

Denn: Jeder Weg und somit jede Stunde Zeit, die diese Menschen mehr fahren müssen, um eine der zahlreichen Dinge abzuhaken, die man hier glücklicherweise vor Ort erledigen kann, ist eine Stunde zuviel.

Zwar stehen wir noch nicht vor einer Schließung des Berg-Büros, aber eine Kürzung der Öffnungszeiten ist objektiv ein erster Schritt in diese Richtung – zumal eine solch radikale auf „ein oder zwei Tage“.

Also halten wir fest, was mit diesem ersten Schritt bereits besiegelt würde:

  • Aegidienberger müssten ihre Erledigungen NOCH besser zeitlich einzurichten versuchen;
  • berufstätige Elternteile hätten womöglich keinerlei Gelegenheiten mehr, an wenigstens einem Tag der Woche einen zeitlich ausgeweiteten Service in Anspruch nehmen zu können;
  • und jede Sache, die sich innerhalb des eingeschränkten Zeitfensters nicht mehr vor Ort erledigen ließe, erfordere eine (Extra-)Fahrt ins Tal und koste wertvolle  (Familien-)Zeit.

Kurz gesagt: Eine Verknappung der Öffnungszeiten des Bürgerbüros ist mindestens eine Behinderung, eher bereits eine drastische Einschränkung des öffentlichen Lebens in Aegidienberg. Das kann niemand wollen, und das wäre genau das falsche Signal an Mit- und NeubürgerInnen. Solche Pläne sind ein heftiger Irrtum – sie schaden Attraktivität und Wachstum der Stadt.

Auch Aegidienberg will in einer Weise „verwaltet“ werden, in der Kundenorientierung kein Fremdwort ist und Service durchaus auch Wertschätzung ausdrückt. Ernstzunehmen ist ein Bürgerbüro nur, wenn es seriöse und kontinuierliche Präsenz organisiert – und das setzt tägliche Öffnung voraus.

Veröffentlicht im Siebengebirgsboten am 31. Oktober 2012.

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