Aegidiusplatz als dörfliches Zentrum – Treffpunkt mit Charme statt Park+Ride-Gelände

Zuallererst sollte mensch in naher Zukunft gern zum Aegidiusplatz kommen: weil es dort schön ist oder zumindest ansehnlich; weil dort schon mal oder (besser noch) öfter was passiert; weil es etwas zu sehen gibt oder jemanden zu treffen; weil mensch dort einkehren kann – kurz: zu Erledigungen, zum Einkaufen, zu Kultur und Veranstaltungen, zu innerer sowie kirchlicher Einkehr. Und natürlich zu Bier, Wein, Speisen und Kaffee.

Das wächst! In der Vergangenheit geschah dies besonders mit dem Kirchenneubau 1824 und der Einrichtung des Bürgerhauses zur letzten Jahrtausendwende. Obwohl es an stilvollen Fassaden fehlt und alles Pittoreske sich auf das Jahr 1893 datieren lässt, als das Aegidienberger Wahrzeichens – der Krönung des alten Kirchturms mit Rhombendach und Dreiecksgiebeln – erschaffen wurde.

Jenseits gestalterischer Nachlässigkeit ist jedoch die Substanz eines dörflichen Zentrums bereits in erheblichem Umfang vorhanden: einige meist kleine Geschäfte in oft hoher Qualität samt Optiker und Bäckerei, Gastronomie mit 30-Zimmer-Hotel samt Restaurant, sowie zwei Gaststätten um die Ecke und demnächst einem Griechen, Versorgung vom Bürgerbüro über das Geldinstitut und die Apotheke, Kultur oder Kommunikation in Bürgerhaus und Jugendtreff, Mobilitätsknotenpunkt samt Bushaltestellen. Die spirituellen Einrichtungen Kirche und Friedhof bilden die Pole der Achse des Platzes.

Und dazwischen – ein Parkplatz.

Ein großer Parkplatz, der bisher auch nichts anderes ist und sein will als befestigte Parkfläche. Ein Argument spricht für ihn: Er war schon immer so, jawoll. Ansonsten steht er in seiner heutigen Anmutung, in seiner Phantasielosigkeit und Ödnis aller Attraktivität oder gar Anziehungskraft im Wege.

Natürlich braucht ein Platz mit Geschäften besonders im ländlichen Raum Parkfläche. Aber das kann mensch doch besser! So denken nicht nur wir Grünen, so dachte bereits Frau Welter, als sie in  dankenswerter Initiative für gesponserte Pflanzkübel als Platzhalter eines späteren regulären Bewuchses sorgte. Und das dachten diesmal eben auch die Lokalpolitiker, als sie in der letzten Sitzung des Bezirksausschusses beschlossen, 12 Linden in Fortführung der Baumreihen vor der Kirche pflanzen zu lassen.

Natürlich waren die Grünen dafür. Aber diesmal eben alle Anderen auch. Also weisen wir nur auf einige uns wichtige Punkte hin: Die bereits stehenden Platanen sollten erhalten bleiben. Sie stören die Lindenreihen nicht wirklich und können eher als Auflockerung begriffen werden. Und bitte bedenke der Ausführende die Größe der -die Bäume umgebenden – Offenfläche! An der bisherigen Praxis nämlich funktioniert etwas nicht, denn praktisch alle Linden auf der versiegelten Fläche weisen auf ihrer Wetterseite z.T. erhebliche Schäden auf. (Sie werden dies leicht bei Ihrem nächsten Besuch erkennen; knibbeln Sie ruhig ein wenig.) Die gesunden Linden vor der Kirche zeigen, wie es besser geht.

Mögen 12 Linden wenig erscheinen, so strukturieren ihre Reihen doch den Platz grundlegend. Also bleiben zwei Aspekte zu beachten:

–   Die Rievkooche-Kirmes in der ersten Septemberwoche darf nicht beeinträchtigt werden – was ohne Probleme möglich ist und gleichzeitig den Raum für die hier traditionelle Auflösung des Karnevalzuges lässt.

–   Eine neue oder bestehende Verkehrsführung auf dem Platz sollte nicht “final” fixiert werden, denn hier müssen nicht jene Gegebenheiten als gesetzt gewertet werden, die sich über die Jahre “so” eingeschliffen haben.

Darüber hinaus ist es Ressourcenvergeudung, wenn der zentrale Platz der Berggemeinde zum Park+Ride-Areal verkommt. Tagtäglich stehen hier 30-40 PKW, deren BesitzerInnen dies eben nicht tun, um einen schön gelegenen Platz zu verschandeln. Sie tun dies mangels Alternative!

Zumindest eine solche gäbe es: Zur A3 oder nach Süden und Osten Orientierte könnten ein wirklich gutes Park+Ride-Gelände finden im Industriegebiet Rottbitze. (Geradeaus, hinten links und dann bis zum Ende: dort befindet sich eine erhebliche Stellfläche nahe der BAB, sehr gut geeignet; bei Anlage Verlauf der Gasleitung beachten.) Dass für Fahrgemeinschaften nach Norden im Bereich Hövel oder Brüngsberg ein adäquater und ähnlich überzeugender Vorschlag heute nicht gemacht wird, heißt keineswegs, dass sich ein solcher nicht finden ließe.

Nach dieser Vorarbeit käme das Ordnungsamt durch Einrichtung einer den Aegidiusplatz schützenden Bewirtschaftung zum Zuge: Zwei oder höchstens drei Stunden Parken frei, länger nur gegen Gebühr (oder gar nicht, ggf. mit Ausnahme der Anwohnerschaft). Entsprechende Beschlussanträge über ein solches Paket werden wir vorlegen.

Was bräuchte es sonst noch zur Entwicklung des Platzes als dörflichem Zentrum UND Treffpunkt? ´

–        Gute Lösungen für die beiden planerischen Baustellen Schlecker und ehemalige Dorfschänke – wobei es bei letzterer genau nach einer solchen aussieht;

–        mehr und qualifizierte Sitzgelegenheiten. Eine Gruppe davon gern ergänzt durch (wenige) Kleinspielgeräte, um Kindern in ihrem Bewegungsdrang nicht nur hinter dem Friedhof gerecht zu werden; sowie

–        zuguterletzt eben eine (dann) begründete endgültige Verkehrsführung.

Um keine gute Idee oder Verbesserung auszulassen sind natürlich die Bürgerinnen und Bürger selbst zu befragen. Warum soll das nicht gehen? In einer geeigneten Form der Sammlung kreativer Anstöße (z.B. unter der Schirmherrschaft eines Anwohners sowie des Bürgerhauses), z.B. begleitet von einer Mal-Ideenwerkstatt unter Beteiligung der Grundschule und Anderer.

Das alles hat Augenmaß und benötigt keinen überhöhten Aufwand. Es setzt auf die Interaktion mit der Bewohnerschaft und soll auch den direkten Anrainern nutzen. Weiterhin könnte Kommunikation fördern und der Jugend als freizeittechnisch besonders vernachlässigter lokaler Gruppe wenigstens einen akzeptablen Anlaufpunkt bieten…. Doch noch steht eine Frage ganz zu Beginn offen: Wie oder woraus werden die 12 Linden finanziert? Schafft Bad Honnef diesen Prozesseinstieg; schafft die Stadt veranschlagte 20 T€ zur Verschönerung des Ortszentrums ihrer Berggemeinde?

Veröffentlicht im Siebengebirgsboten am 27. Juni 2012.

Verwandte Artikel