Aegidienberg auf gutem Weg – Berggemeinde mit eigener Struktur und eigenem Charakter

Wenn jemand vor zehn Jahren prophezeit hätte, dass Aegidienberg bald über eine gute und dichte eigenständige Versorgung verfügen würde, hätten wir ihm nicht geglaubt. Heute bietet die Rottbitzer Straße eine solide Auswahl an Fachmärkten und Discountern, der Aegidiusplatz samt Umfeld beheimatet Geldinstitute, klassische Geschäfte und Gastronomie incl. Bürgerhaus und schönem Hotel, bewährte Einrichtungen vom Café bis zum Reisebüro und Presseverkauf blieben, Tankstellen vermehrten sich, am Eingang zum Tal entstand mit Fahrrad-Center und Sortimenter etwas ganz Neues.

Der Bezirksausschuss Ende April packte nun neue, strukturelle Aufgaben an. In fast zufälliger Konzentration ging es gleich um einige Entscheidungen, die wichtig und stilbildend für die Entwicklung der Berggemeinde sein werden. Um es vorwegzusagen: Wir von den Grünen glauben, dass es in die richtige Richtung geht, dass Aegidienberg so zu einem attraktiven Ort im Siebengebirge mit wirklich ordentlicher Versorgung werden kann. Dass seit langem wieder einmal umfangreichere Entscheidungen für eine Gesamtstruktur und Erscheinung gefasst wurden für ein adrettes, anziehendes Aegidienberg mit eigenständigem Charakter und der Einladung, hier gern und gut zu leben.

Für den Aegidiusplatz beschloss der Ausschuss, die Reihen der Linden im oberen Bereich des Areals aufzunehmen und über den gesamten Platz fortzusetzen. Das klingt nach kaum mehr als der Pflanzung von12 weiteren Bäumen; tatsächlich jedoch gestaltet es (endlich und nach Jahren!) den Platz als Einheit. Zudem wurde Augenmaß bewiesen: Weder findet sich die traditionelle Kirmes eingeschränkt, noch ist die Möglichkeit zur Realisierung verschiedener Konzepte der Verkehrsführung auf dem Platz versperrt. Für die Grünen sagen wir überzeugt, dass die Zukunft der Berggemeinde zwischen zwei Polen stattfinden sollte: Auf der einen Seite lockt ein wirklich attraktiver dörflicher Zentralplatz mit Bank, Hotel und Gastronomie, Eis und Kaffe, einigen hochwertigen Läden, Bürgerbüro und Bürgerhaus; auf der anderen Seite bietet sich entzerrt eine überraschend dichte Versorgung mit vielem, was der Mensch braucht und so nicht fernab besorgen muss.

Für die Infrastruktur gab es gleich zwei Beschlüsse. Vor dem Aldi an der Himberger wird es einen neuen Fachmarkt geben. Ob das nun der von der Gerüchteküche favorisierte Drogeriemarkt ist, bleibt dahingestellt – uns Grünen war es jedenfalls wichtig, hier die Formulierung auf Fach-Markt zu ändern und somit zu öffnen. An der Kreuzung selbst endet die Perspektive vernünftiger Verkehrsführung bisher – der sie ersetzende Kreisverkehr scheint so bemessen, dass er bis hin zum Langholztransport allen Anforderungen standhält.

Für das Erscheinungsbild der Berggemeinde geht es einen weiteren Schritt zur Identität und Ansehnlichkeit. Ein weiterer Kreisel entzerrt, und einer der Kreisverkehre wird ein Ensemble von stilisierten Pferden samt Stelen aus Siebengebirgsgestein und damit ein aussagekräftiges Portal zum Ort bieten. Das Konzept ist nicht nur durchdacht, sondern zudem von einem Sponsor finanziert. Es bietet regelrechten Ansporn für die bald zwei weiteren Kreisel, diese (dann insgesamt 3) adäquat zu gestalten. Wenn zusätzlich noch die Blumenampeln auf dem Berg das Straßenbild bestimmen, so ergibt sich ein weiteres Moment für ein Erscheinungsbild der die Berggemeinde ausmachenden Dörfer mit Identität bei verbleibender Vielfalt. Die Geranienampeln, erfolgreicher und technisch ausgeklügelter Ideenimport aus Frankreich, bewährten sich ja bereits in Talbereich und City – auch dort als von Bürgerinnen und Bürgern getragenes Projekt.

Natürlich gibt es noch Baustellen in Aegidienberg. Die jahrelange Engstirnigkeit einiger Politiker verhinderte eine zeitgemäße Schullandschaft, überhaupt bietet der Berg der Jugend zu wenig. Der Sport muss trotz großzügiger Spende auf deren Nutzen bringenden Einsatz warten, die Anbindung durch öffentliche Verkehrsmittel ist so dürftig wie die Zahl der großen Lärmquellen übermäßig in einem Naturschutzgebiet und Naturpark. Über die konzeptionelle Perspektive der umgebenden wunderbaren Natur herrscht noch keine Einigkeit. Leserinnen und Leser können diese Liste ergänzen – doch die Ausschusssitzung war ein guter Tag für Aegidienberg.

Veröffentlicht im Siebengebirgsboten am 16. Mai 2012.

 

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